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Stolperstein-Verlegungen

am 9. Juli auch im Stuttgarter Süden



Quelle: Gunter Demnig

Am Donnerstag dem 9. Juli 2020 wird der Kölner Künstler Gunter Demnig (72) in Stuttgart 14 weitere Stolpersteine, darunter drei in Stuttgart-Süd, verlegen. Damit erinnern die Stuttgarter Stadtteil-Initiativen an die Verfolgung jüdischer Mitbürger, an die Ermordung kranker und behinderter Menschen und erstmals an das Leid eines Wanderarbeiters unter dem Nationalsozialismus.
 

  • 10:00 Uhr, S-Süd, Gebelsbergstr. 84:

Der Teppichhandel von Avram Behar gehörte zu den ersten jüdischen Geschäften, die schon Anfang April 1933 von den Nazis boykottiert wurden. Von seiner Inhaftierung Ende 1938 in Dachau hat er sich nicht mehr erholt und starb im September 1944. Seine Ehefrau Anna war wegen ihrer nichtjüdischen Abstammung nicht unmittelbar bedroht. Doch die Töchter galten als Jüdinnen: Victoria gelang 1938 mit ihrem Mann die Ausreise nach Chile. Die jüngere Eleonore überlebte nur knapp die Deportation nach Theresienstadt. Zusammen mit ihrer Mutter emigrierte sie 1947 nach Chile.
 

  • 10:25 Uhr, S-Süd, Tübinger Str. 111:

Hermann Fischer, der mit seinen Eltern am 28. Oktober 1938 nach Polen ausgewiesen wurde, erhielt vom Stuttgarter Polizeipräsidenten am 16. Dezember 1938 die Erlaubnis zur „vorübergehenden Rückkehr“, um seine Ausreise bewerkstelligen zu können. 1939 gelang ihm die Flucht in die USA! Für ihn soll am 9. Juli 2020 dort ein Stolperstein verlegt werden, wo seit 2009 bereits zwei Steine an seine Eltern erinnern, die 1942 im Ghetto von Krakau erschossen wurden.
 

  • 10:50 Uhr, S-Süd, Neue Weinsteige 1:

Julius Wissmann war bis 1939 Oberrechnungsrat und Geschäftsführer der Württembergischen Israelitischen Gemeinde. In dieser Funktion führte er u.a. die Visaverhandlungen für die Flucht von Juden in die USA mit dem damaligen amerikanischen Konsulat in Stuttgart. Er organisierte auch die Transporte jüdischer Kinder nach England sowie weitere Aktionen, die das Leben zahlreicher Stuttgarter und württembergischer Juden retten konnten. In der Pogromnacht des Jahres 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet und im Polizeigefängnis in der Büchsenstraße, der berüchtigten "Büchsenschmiere", festgehalten. Nur knapp entging er der Deportation nach Dachau. Auch nach seiner Entlassung aus der Gestapohaft arbeitete er unermüdlich für die Rettung weiterer Juden. Im April 1939 glückte ihm, seiner Frau Klärle und den beiden Söhnen Kurt und Ernst die Flucht nach Brasilien.


Die Stuttgarter Stolperstein-Initiativen  www.stolpersteine-stuttgart.de


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